Zahlen und Fakten – ILS Passau
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Zahlen und Fakten

Warum ist eine ILS notwendig?
In Bayern haben sich die Alarmierungsstrukturen nach 1945 getrennt und unterschiedlich entwickelt. So gilt für die Polizei die Notrufnummer 110, für die Feuerwehr die Notrufnummer 112 und für den Rettungsdienst die Rufnummer 19 222. Ausgehend davon weist die Rettungsdienstnummer 19222 – auch nachdem sie im drahtgebundenen Netz vorwahlfrei geschaltet worden ist – noch immer Nachteile auf: Sie ist aus dem Mobilfunknetz nicht vorwahlfrei erreichbar, Notrufe über 19222 sind nicht gebührenfrei, unterdrückte Rufnummern werden nicht angezeigt. Dies berücksichtigend und der Umstand, dass künftig Feuerwehr und Rettungsdienst unter einer gemeinsamen Rufnummer erreicht werden sollen, hat der Bayerische Landtag im Juli 2002 das  Gesetz über die „Errichtung und den Betrieb Integrierter Leitstellen“ beschlossen und darin die gemeinsame Nutzung der Notrufnummer 112 für Rettungsdienst und Feuerwehr festgelegt.

Wo gibt es eine ILS?
In ganz Bayern werden gegenwärtig flächendeckend Integrierte Leitstellen  eingerichtet, in denen die Alarmierung von Feuerwehr und Rettungsdienst zusammengeführt wird. Dadurch können bei einem Brand oder medizinischen Notfall schnell und gezielt die Einsatzkräfte alarmiert werden, die am besten helfen können und am schnellsten vor Ort sind. Insgesamt sind 26 Integrierten Leitstellen in Bayern geplant, davon sind 20 bereits realisiert. An Fördermittel werden seitens des Freistaates Bayern insgesamt rd. 70 Mio. € bereitgestellt.

Warum Notrufnummer 112?
Für die „112“ sind u.a. folgende Argumente anzuführen: Die 112 ist in der Bevölkerung besser bekannt als die 19222, die 112 ist in vielen Bundesländern bereits Notrufnummer für Feuerwehr und Rettungsdienst, der Europarat hat die 112 als einheitliche europaweite Notrufnummer beschlossen.

Was ist neu an der Notrufnummer 112?
Ab 1. Juni ist auch im Rettungsdienstbereich Passau, d.h. in der Stadt Passau und im Landkreis Passau, sowie in den Landkreisen Rottal-Inn und Freyung-Grafenau die Feuerwehr und der Rettungsdienst unter der einheitlichen Notrufnummer 112 erreichbar, ohne Ortsvorwahl und gebührenfrei, sowohl aus dem Festnetz als auch über Mobilfunk und rund um die Uhr.

Was geschieht, wenn die 112 gewähl wird?
Unter der Notrufnummer 112 wird künftig direkt die Integrierte Leitstelle Passau erreicht, dort wird der Notfall entgegengenommen, egal ob Feuerwehr, Rettungswagen oder Notarzt benötigt werden. Abgestimmt auf den Notfall wird dann seitens der Integrierten Leitstelle die schnellstmögliche Hilfe veranlasst.

Welche Aufgabe hat eine ILS?
Die Aufgabe einer Integrierten Leitstelle ist im Gesetz über die „Errichtung und den Betrieb Integrierter Leitstellen“ geregelt und besteht vorrangig darin, alle Notrufe, Notfallmeldungen, sonstige Hilfeersuchen und Informationen für Rettungsdienst und Feuerwehrdienst in ihrem Zuständigkeitsbereich entgegen zu nehmen, die erforderlichen Einsatzkräfte und Einsatzmittel zu alarmieren und deren Einsätze unterstützend zu begleiten.
Künftig sollen 26 Integrierte Leitstellen die Notfallversorgung der Bevölkerung in Bayern sicherstellen.
20 der 26 geplanten Leistellen sind bereits in Betrieb u.a. in München, Regensburg, Ingolstadt, Fürstenfeldbruck, Landshut, Erding, Straubing.

Wer betreibt die ILS Passau?

Die ILS Passau wird vom Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung - ZRF- selbst betrieben. Denkbar wäre auch der Betrieb durch Dritte wie z.B. dem BRK, der Feuerwehr oder eines Landkreises gewesen. Die Verbandsversammlung des ZRF hat sich jedoch einstimmig für den Betrieb durch den ZRF ausgesprochen.

Wer ist der ZRF Passau?
Der Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung geht aus dem früheren Rettungszweckverband Passau hervor. Dieser setzte sich, ebenso wie der neugegründete ZRF, aus der Stadt Passau und den Landkreisen Passau, Freyung-Grafenau und Rottal-Inn zusammen. Insgesamt hat der ZRF und damit auch die ILS rund 440.000 Bürgerinnen und Bürger zuzüglich der Urlauber und Kurgäste zu betreuen.
Flächenmäßig zählt der ZRF Passau zu einem der größten Verbände in Bayern.

Wer sind die Entscheidungsträger im ZRF Passau?

Verbandsvorsitzender des ZRF ist Oberbürgermeister Jürgen Dupper (Stadt Passau), stellvertretende Vorsitzende sind die Landräte Franz Meyer (Landkreis Passau) und Ludwig Lankl (Landkreis Freyung-Grafenau).
Die 24-köpfige Verbandsversammlung setzt sich aus 4 Vertretern der Stadt Passau, 9 Vertretern des Landkreises Passau, 6 des Landkreises Rottal-Inn und 5 des Landkreises Freyung-Grafenau zusammen.
Als Geschäftsführer für den ZRF sind Bernhard Wagmann (Schwerpunkt BayRDG) und Werner Mayer (Schwerpunkt ILS) tätig.

Wie kam es zum ILS Standort Passau?
Zur Ermittlung eines organisatorischen, technischen und infrastrukturell optimalen Standortes der künftigen ILS wurde ein Gutachten eingeholt. Unter den Vorgaben diese Gutachtens wurden 35 Standorte aus dem gesamten Verbandsgebiet bewertet und beurteilt.
Nach intensiven Voruntersuchungen entschied sich die Verbandsversammlung einstimmig für den Standort  Passau. Die ILS wird am städtischen Grundstück an der Neuburger - Straße, Am Fernsehturm 6, gegenüber dem BRK-Gebäude errichtet.


Wie ist die ILS ausgestattet?

Auf dem ca. 2.000 qm großen Grundstück wurde ein zweigeschossiges Gebäude mit rund 780 qm Nutzfläche errichtet. Kernstück der Leitstelle ist der rd. 180 qm große Leitstellenraum mit seinen 8 Disponentenplätzen und der Medienwand.
Um alle anfallenden Aufgaben in kürzester Zeit präzise und sicher erledigen zu können, wurde die Leitstelle mit einer hochmodernen EDV-Technik ausgestattet. Ein spezieller „Einsatzleitrechner“ bei dem alle relevanten Daten wie z.B. Orte, Ortsteile, Straßen, Wege, Plätze, Krankenhäuser, Altenheime, Apotheken, Industriebetriebe, etc. hinterlegt sind, unterstützt die Disponenten bei ihrer Arbeit.
Zusätzlich steht eine große elektronische Landkarte  zur Verfügung. Jeder Ort, jedes Objekt im Leitstellenbereich Passau kann somit genau visualisiert werden. Alle laufenden Einsätze werden im Einsatzleitrechner  verwaltet und auf dem grafischen Informationssystem mit Symbolen angezeigt. Jederzeit ist überschaubar, wie viele Einsätze laufen, wo sich die Fahrzeuge der Hilfs- und Rettungskräfte befinden und aus welchen Bereichen zusätzliche Kräfte und Fahrzeuge zugeführt werden können.
An den 8 Disponentenplätzen sind leistungsfähige EDV-Workstations mit 5 Bildschirmen für den Einsatzbetrieb und einem Bildschirm für die allgemeinen Officeinformationen eingerichtet. Ein Dutzend Server mit einer mächtigen Datenbank sorgen für einen sicheren Betrieb.
Für die visuelle Ansicht wird eine Videowand zur Darstellung von Lagemeldungen und dem aktuellen Einsatzgeschehen eingerichtet.
Ein kombinierter Lage- und Besprechungsraum in Nähe zum Leitstellenraum kann bei besonderen Schadenslagen führungstechnisch mit ergänzend eingerichteten Informationsmedien unterstützen.
Neben den sonstigen Büroräumen und den Sozialräumen wird künftig auch die Geschäftsleitung des ZRF in der ILS untergebracht sein.

Wie wird die ILS personell ausgestattet sein?
In der neuen ILS werden künftig 28 qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt sein, welche im Schicht- und Bereitschaftsdienst rund um die Uhr die Erreichbarkeit der ILS sicherstellen. An den Werktagen werden 5 Disponenten und an den übrigen Tagen 4-5 Disponenten ständig anwesend sein.
Das Personal wird sich in erster Linie aus den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der bisherigen und künftig wegfallenden Rettungsleitstelle Passau und der Feuerwehr-Alarm- und Einsatzzentrale der Stadt und des Landkreises Passau zusammensetzen.
Als Leiter der Integrierten Leitstelle fungiert Herr Sebastian Fehrenbach, stellvertretender Leitstelleiter ist Herr Andreas Pillen. Als Geschäftleiter für die ILs ist  Herr Werner Mayer tätig.

Wie muss ein Leitstellendisponent qualifiziert sein?
Um die Funktion des Disponenten in einer ILS ausüben zu können, bedarf es sowohl einer qualifizierten rettungsdienstlichen (z.B. Rettungsassistent) als auch einer qualifizierten feuerwehrtechnischen Ausbildung (z.B. Hauptbrandmeister). Auf dieser „Grundausbildung“ aufbauend werden in einem Lehrgang „Disponent Integrierter Leitstellen“ die weiteren besonderen Fähigkeiten und Kenntnisse, die für eine qualifizierte Notrufabfrage, Alarmierung und Unterstützung der Einsatzkräfte vor Ort erforderlich sind, vermittelt.

Wer hat die Planung des Projekts ILS inne?
Mit der Gesamtplanung der ILS wurde das Planungsbüro „Bergmann Engineering“ aus Senden beauftragt. Dieses Büro ist deutschlandweit Spezialist für die Errichtung und insbesondere die IT Ausstattung von Integrierten Leitstellen, so z.B. der kürzlich in Betrieb gegangene ILS Traunstein.
Für die örtliche Bauvorbereitung und Bauleitung zeichnet das Architekturbüro Reiter und Partner aus Passau verantwortlich.


Wie hoch sind die Baukosten und der laufende Unterhalt?

Die Kosten für die Errichtung der ILS wurden incl. dem Grunderwerb auf rund 5,3 Mio € kalkuliert, wovon alleine die notwendige IT-Technik mit rund 2,3 Mio € veranschlagt wurde.
Nach derzeitigem Kostenstand ist jedoch davon auszugehen, dass die Maßnahme die Kostenmarke von 5 Mio € nicht übersteigt.
An Förderung seitens des Freistaates Bayern sind ca. 2 Mio € zu erwarten.
Der laufende Betrieb, wird was den Rettungsdienst anbelangt, in erster Linie durch die gesetzlichen Krankenkassen refinanziert, die weiteren ungedeckten Kosten und die Kosten der Feuerwehralarmierung sind jedoch durch die am Zweckverband beteiligten Gebietskörperschaften zu tragen.
Daraus ergibt sich, nach derzeitigem Stand, ein Finanzbedarf von rund 600.000 € jährlich für die laufenden Kosten und für den Betrieb (Personal, Unterhalt, etc.).
Dieser Betrag wiederum wird entsprechend der Einwohnerzahlen wie folgt auf die Gebietskörperschaften umgelegt:
Landkreis Passau ca. 260.000 €  (42,99 %)
Landkreis Rottal-Inn ca. 160.000 € ( 27,10 %)
Landkreis Freyung-Grafenau ca. 110.000 € (18,34 %)
Stadt Passau ca. 70.000 € (11,57%)


Die Bauchronik
- Mai 2010: Spatenstich
- Juni 2010: Grundsteinlegung
- November 2010: Abschluss Rohbau
- März 2011: Abschluss Ausbau
- April 2011: Fertigstellung Bauwerk
- Dezember 2011: Abschluss Installation IT-Technik
- Januar 2011: Beginn Probebetrieb
- 1. April 2012: Teilbetrieb
- 1. Juni 2012: Vollbetrieb
- September 2012: Offizielle Einweihung