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07.05.2013 07:09 Alter: 9 yrs

Bereit für die Katastrophe

"KEZ" - so sagen die Feuerwehrler zu ihrer "Kreis-Einsatz-Zentrale" im neuen Katastrophen-Schutzzentrum. Die Einrichtung erhielt jetzt ihren kirchlichen Segen.


Rund 120 000 Euro hat sich der Landkreis sein eigenes Schutzzentrum für Krisen kosten lassen. Landrat Franz Meyer hat bei der Einweihung gleich Kreisbrandmeister Christian Schneider (Hofkirchen) zum KEZ-Leiter bestellt.
Nun gibt es aber seit letztem Sommer die neue Integrierte Leitstelle (ILS) in Passau, bei der alle Notrufe aus Passau, dem Landkreis sowie aus Rottal-Inn und Freyung-Grafenau eingehen. Was Krisen-Nichtfachleute sich da unwillkürlich fragen: Wozu braucht es eine weitere Zentrale? Machen die sich jetzt Konkurrenz?

Landrats-Pressesprecher Werner Windpassinger betont, dass es um Kooperation und Koordination geht, nicht um Konkurrenz: "Das Landratsamt hat sich mit den meisten Kreisverwaltungsbehörden für eine solche Kreiseinsatzzentrale entschieden." Es habe um Leiter Schneider ein Team von elf "jüngeren, aber bereits erfahrenen Feuerwehrkräften aufgestellt, die jederzeit ehrenamtlich einen echten Bereitschaftsdienst in der KEZ leisten. Bei der ILS ist das Landratsamt längst mit bestimmten Teileinheiten wie der Führungsgruppe Katastrophenschutz (FüGK) fest in den einsatzstichwort-basierten Alarmplänen erfasst und alarmierbar. Die gesamte FüGK, über 30 Personen, kann auf Festnetz und/oder Handy jederzeit zum Einsatz gerufen werden." Richteten aber schwere Unwetter weitverbreitete Schadenslagen an, sei in der ILS dennoch ein Engpass beim Notruf 112 vorprogrammiert, trotz massiv verstärkter Besetzung. Dem wolle das Landratsamt durch Umleiten der nicht zeitkritischen Einsätze auf die KEZ entschärfen. Diese Zentrale koordiniere dann die weiteren Feuerwehreinsätze. Auch Armin Absmeier, als Sicherheits-Sachgebietsleiter sichtlich stolzer und zufriedener Projektleiter, packte bei der Einweihung durch Feuerwehrpfarrer Gotthard Weiß den Stier bei den Hörnern: "Brauchen wir die neue Zentrale, wo es doch die ILS gibt, die auch die Landkreise nicht wenig Geld kostet?", fragte er. Und attestierte als Antwort der KEZ ein klares  Ja durch ihren "Mehrfachnutzen: Die ILS und der Notruf 112 werden entlastet. Unwetter können effektiver bewältigt werden. Diese Einrichtung war und ist dringend notwendig". Es hätte laut Absmeier zu den aus Büros umfunktionierten KEZ-Räumen mitten im Landratsamt "keine besseren oder kostengünstigeren Alternativen gegeben".

Kreisbrandrat Josef Ascher hat ein Büro dort, es gibt einen Stabsraum mit acht Computerplätzen, eine Kommunikationszentrale für Feuerwehr und Katastrophenschutz als Anbindung an die ILS mit acht Bedarfsplätzen für externe Berater, einen multimedialen Konferenzraum, einen Nebenraum als Zentrale für die örtlichen Einsatzleiter und bei Bedarf den großen Sitzungssaal. Dadurch bringe die Zentrale bei überraschenden Unwettern und Unglücken durch ihre ständige Bereitschaft "einen Zeitgewinn von zwei bis drei Stunden", um einen arbeitsfähigen Krisenstab aufzustellen. Das seien "für eine Katastrophenschutzbehörde Welten" an eingesparter Zeit.

Der Kreisbrandrat bestätigte diese Einschätzung: "Im Falle der Katastrophe haben wir keine Zeit zu fragen, was machen wir wie." Hochwasser und Stürme seien durch die modernen Wettervorhersagen einigermaßen planbar. "Aber bei einer echten, plötzlichen Katastrophe stünden wir ohne die KEZ vor dem Nichts". Durch die Zentrale seien optimale Voraussetzungen geschaffen worden, um auf große Schadensereignisse optimal reagieren zu können. Dies alles freilich hört Landrat Franz Meyer gerne: Der Aufwand habe "nur einen Zweck: die Menschen im Landkreis optimal schützen und so effektiv wie möglich handeln zu können".

 

Quelle: PNP