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03.02.2014 11:55 Alter: 8 yrs

Telefonische Anleitung zur Wiederbelebung durch die ILS Passau

Der plötzliche Herztod im ILS Bereich Passau In Deutschland sterben jeden Tag circa 300 Menschen am plötzlichen Herztod – einem Herzstillstand ohne Vorwarnung für den Patienten und die ihm nahestehenden Menschen.


Auf den Rettungsdienstbereich Passau hochgerechnet bedeutet dies, das hier bei uns ungefähr 500 Menschen im Jahr am plötzlichen Herztod sterben. Ziel des Projekts „Telefonreanimation“ ist es, diesen 500 Menschen zu helfen und im günstigsten Fall 500 Leben im Jahr zu retten oder zumindest die Zahl der Überlebenden deutlich zu erhöhen.

Die Herz-Lungen-Wiederbelebung wird in Deutschland hauptsächlich durch medizinisches Fachpersonal durchgeführt. In weniger als 20% der Fälle wird von Laien im Rahmen der Ersten Hilfe eine Wiederbelebung durchgeführt. Dabei kommt es beim Eintritt des Herzstillstands auf Sekunden an. Die Überlebenschance ohne Wiederbelebungsmaßnahmen sinkt pro Minute um 10%. Und helfen kann jeder. Erste Hilfe ist nicht schwierig und man kann wirklich nichts falsch machen.

Die Überlebenschance OHNE Reanimation ist 0% - die Überlebenschance MIT Reanimation ist auf jeden Fall größer als 0%! Studien sprechen von über 50 bis 75 Prozent bei sofortigem Beginn mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung durch Laienhelfer.

Telefonreanimation

Untersuchungen haben gezeigt, dass viele Anrufer helfen möchten, aber nicht wissen wie oder Angst haben, etwas falsch zu machen. Es ist medizinisch erwiesen, dass jede Maßnahme durch Ersthelfer besser ist als gar nichts zu tun, selbst wenn die Erste Hilfe technisch nicht zu 100% korrekt durchgeführt wird.

Unter „Telefonreanimation“ versteht man die telefonische Anleitung des hilfesuchenden Laien zur Durchführung der Wiederbelebung durch Mitarbeiter der ILS. In Zusammenarbeit mit wissenschaftlichen Instituten wurde durch die Ärztlichen Leiter Rettungsdienst ein Gesprächsalgorithmus entwickelt, der dem Leitstellendisponenten einen roten Faden an die Hand gibt und ihn durch diese schwierige Situation führt. Jeder Disponent in der ILS Passau verfügt über eine Berufsausbildung im Rettungsdienst und langjährige Erfahrung in der Notfallmedizin. Sinn dieses Gesprächsalgorithmus soll es sein, optimal auf die Bedürfnisse des Anrufers einzugehen und ihm möglichst einfach verständliche Anweisungen zu geben, bis Rettungsdienst und Notarzt beim Patienten eintreffen.

Durch die Nutzung des Algorithmus und der darin enthaltenen, vorgefertigten, standardisierten Textbausteine wird in dieser zeitkritischen Situation eine aktive Gesprächsführung durch den Disponenten ermöglicht, die auf das rasche telefonische Erkennen eines Herz-Kreislauf-Stillstandes und die sofortige Anleitung zur Wiederbelebung abzielen. Gleichzeitig werden andere wichtige Parameter wie Einsatzadresse, Rückrufnummer und sonstige Begleitumstände erfasst und durch einen weiteren Disponenten parallel dazu die erforderlichen Rettungskräfte alarmiert und zur Einsatzstelle gelotst.

Schulung

Um das Konzept zur Telefonreanimation optimal nutzen zu können, wurden alle Disponenten der ILS Passau intensiv unter der Leitung der Ärztlichen Leiter Rettungsdienst Frau Dr. med. Birgit Matsche und Herrn Dr. med. Andreas Baumann in enger Zusammenarbeit mit den projektverantwortlichen Leitstellendisponenten Johannes Lawall und Alexander Wahle geschult. Neben theoretischem Unterricht stand auch das wiederholte Üben und Durchspielen des Algorithmus auf dem Stundenplan.

Qualitätsmanagement

Das Projekt Telefonreanimation wird von den Ärztlichen Leitern Rettungsdienst im Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralamierung (ZRF) Passau wissenschaftlich begleitet. Alle durchgeführten Telefonreanimationen werden ausgewertet und bis zur Entlassung der Patienten aus dem Krankenhaus durch die Ärztlichen Leiter Rettungsdienst nachverfolgt. Ziel dieser Auswertung ist es, die Erfolge der Telefonreanimation zu evaluieren, um noch besser zu werden und die Überlebenschance unserer Patienten noch weiter zu erhöhen.

Projektstart

Nachdem alle Disponenten diese Schulung erfolgreich durchlaufen haben und die technischen
Voraussetzungen in der EDV der ILS implementiert wurden, konnte das Projekt Telefonreanimation am 01.11.2013 gestartet werden.

Bis zum heutigen Tage wurden in der ILS Passau 18 Telefonreanimationen angeleitet. In der wissenschaftlichen Aufarbeitung der bisher durchgeführten Wiederbelebungen konnte gezeigt werden, dass dadurch bisher nachweislich 2 Menschenleben gerettet werden konnten. Man kann also jetzt schon von hervorragenden ersten Ergebnissen sprechen.

 

Quelle: PNP