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25.02.2016 08:44 Alter: 6 yrs

"Halbzeit" bei Digitalfunk-Einführung

Jede Sekunde zählt, wenn über die Notrufnummer 112 Hilfe angefordert wird. „Es geht um Leben und Tod“, unterstreicht Kreisbrandrat Josef Ascher die Notwendigkeit einer lückenlosen Kommunikation zwischen allen alarmierten Kräften. Umso mehr fiebern die Feuerwehren in der Region der Einführung des Digitalfunks entgegen.


Zum Jahresende soll das "Handy"-Zeitalter bei den über 390 Wehren in Stadt und Landkreis Passau sowie den Landkreisen Freyung-Grafenau und Rottal-Inn anbrechen.

Viel diskutiert, teils erst vor Gericht geklärt, war die Aufstellung der dafür notwendigen Funkmasten. Öffentlich in den Gemeinderäten behandelt, sind deren Standorte jetzt eine "Verschlusssache". "Wir sind rechtlich nicht befugt, darüber Auskunft zu geben", erklärt Dieter Schlegel. Er gehört zur Projektleitung Digitalfunk im Bereich der Integrierten Leitstelle Passau (ILS) und verweist auf das Innenministerium.

Und die antwortete am Freitagnachmittag prompt: "Die Funktionsfähigkeit des BOS-Digitalfunknetzes ist für die staatliche Krisenkommunikation von existenzieller Bedeutung. Die hohen Anforderungen an Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit der Systeme und Komponenten sowie der zu übertragenden Daten erfordern Maßnahmen zum Schutz des Netzes", so ein Sprecher der Projektgruppe DigiNet. Daher sei unter anderem eine Einschränkung der Informationsbekanntgabe in Zusammenhang mit Standortgewinnung, Netzerrichtung und -betrieb nötig. Was aber kein Geheimnis ist: "Für eine flächendeckende Versorgung von Stadt und Landkreis Passau wurden insgesamt 24 Basisstationen errichtet."

In Passau kümmert man sich derweil darum, dass es losgehen kann mit dem Digitalfunk. „Gerade bei einem größeren Schadens-Szenario besteht die Möglichkeit, organisationsübergreifend in den Führungsstrukturen zu kommunizieren, Einzelgespräche zu führen und auch separate Funkgruppen zu bilden, ohne – wie bisher – den restlichen Funkverkehr zu belasten“, erklärt Josef Ascher, Kreisbrandrat für den Landkreis Passau. „Ein Netz für alle“ – so formuliert der 54-Jährige das entscheidende Plus des Digitalfunks für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS). Außer der Polizei, die das abhörsichere System bereits nutzt, sollen bis zum Jahresende alle in den Katastrophenschutz eingebundenen Institutionen damit ausgestattet werden.

Eine große Herausforderung für Stefan Blinninger (49) und Helmut Knapp (43) von der Taktisch-Technischen Betriebsstelle (TTB). Die ist im vergangenen Jahr eigens zur Umsetzung und Betreuung des Digitalfunks der ILS angegliedert worden. Insgesamt rund 3500 neue einheitliche Funkgeräte gehen bis zum Abschluss des Projekts durch ihre Hände, werden betriebsfertig gemacht, überprüft und ausgeliefert. Die Hälfte ist bereits bearbeitet“, berichtet TTB-Leiter Blinninger. In der momentan „heißen Phase“ werden die beiden Experten von ILS-Kollegen unterstützt. Wann welche Feuerwehr mit den Geräten ausgestattet wird, richtet sich alleine danach, wann die jeweilige Kommune die Technik beim Hersteller ordert.

Dank ihrer beruflichen Qualifikation, beide sind Elektrotechniker-Meister, und ihres ehrenamtlichen Engagements als Funkausbilder in der Feuerwehr – Stefan Blinninger in Eggenfelden, Helmut Knapp in Alkofen – sind die TTB-Mitarbeiter als zentrale Ansprechpartner für den Digitalfunk ausgewählt worden – und zwar im gesamten Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung (ZRF), der Stadt und Landkreis Passau sowie die Nachbarlandkreise Freyung-Grafenau und Rottal-Inn umfasst. „Gerade in den letztgenannten Regionen hat es beim analogen Funk immer wieder Probleme mit der Netzabdeckung gegeben“, weiß Josef Ascher. Die Funkdichte im Netzabschnitt Niederbayern, wo seit 1. September der Probebetrieb läuft, stimmt mit den errechneten Werten überein. Das haben laut Stefan Blinninger abgeschlossenen Messungen bestätigt. „Es ist ein Riesengewinn, überall funken zu können“, fügt  Josef Ascher beruhigt hinzu. Er will den Feuerwehren die neue Technik mit optimaler Sprachqualität und ohne Nebengeräusche baldmöglichst an die Hand geben.


Mehr Sicherheit für die Einsatzkräfte.


Anfängliche Schwierigkeiten mit der Software haben die Digitalfunk-Einführung etwas verzögert. Doch inzwischen ist alles behoben, alles laufe nach Plan. Und der sieht so aus: Bis Mitte 2016 sollen sämtliche Bestellungen abgewickelt sein. Nach Auslieferung der 3500 Funkgeräte, die nicht nur im Aussehen, sondern auch von der Bedienung her sehr stark Handys ähneln, bewerkstelligen vier verschiedene Fachfirmen im Landkreis Passau parallel den Einbau der stationären Apparaturen in die rund 1000 betreffenden Feuerwehrfahrzeuge.

Sobald die Kommunen, die einen Staatszuschuss von 80 Prozent der Beschaffungskosten erhalten, alle digitalen Handfunkgeräte für ihre Feuerwehren vorliegen haben, können sich die Aktiven vor Ort nach Anleitung durch die zuständigen Kreisbrandmeister mit der neuen Technikvertraut machen.

„Es ist noch genügend Zeit zum Üben und Sich-Gewöhnen“, sagt TTB-Leiter Stefan Blinninger.

Was für den Kreisbrandrat zudem wichtig ist: das Mehr an Sicherheit für seine Einsatzkräfte. „Durch den Digitalfunk können sie im Notfall über die neuen Geräte selbst Notrufe absetzen und auf Basis der GPS-Daten sofort lokalisiert werden.“


Quelle: Passauer Neue Presse vom 20.02.2015