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20.12.2016 10:57 Alter: 5 yrs

Regionale Katastrophen im Fokus

Eggenfelden. Beim 17. Rottaler Notfallsymposium für Ärzte, Rettungsdienstkräfte und Leitstellenpersonal ging es diesmal schwerpunktmäßig um außergewöhnliche Fälle und regionale Katastrophen wie das Juni-Hochwasser. Vielleicht der Grund dafür, dass der Zuspruch zu dieser Fortbildungstagung von BRK-Kreisverband und Rottal-Inn-Kliniken im Tagungsraum des Kreiskrankenhauses Eggenfelden über dem des Vorjahres lag.


Knapp 100 Teilnehmer mit dabei 

 

Knapp 100 Teilnehmer begrüßte der Chefarzt des Notaufnahmezentrums am Krankenhaus Eggenfelden, Oliver Zorn. Sein Dank galt Mitorganisator Johann Haider (Leiter Rettungsdienst und stellv. Kreisgeschäftsführer BRK Rottal-Inn) sowie dem Ärztlichen Leiter der Tagung und Chefarzt des BRK Rottal-Inn, Dr. Gerald Dietrich. 

 

Unvorstellbar seien noch im Vorjahr für die Hilfsorganisationen Szenarien wie das schreckliche Zugunglück von Bad Aibling oder die Flutkatastrophe im Landkreis gewesen, gab BRK-Kreisgeschäftsführer Herbert Wiedemann zu bedenken. Zudem sei über Monate der tägliche Zustrom von 1500 bis 2000 Flüchtlingen zu bewältigen gewesen. 

 

Zu schaffen sei dies nur mit engagierten haupt- und ehrenamtlichen Kräften. Basis sei das Zusammenspiel zwischen Krankenhäusern und Rettungsdienst. „Wir wollen voneinander lernen“, unterstrich Wiedemann. „Rettungsdienst und Krankenhäuser stellen sich gemeinsam diesen Fragen“, formulierte Priv.-Doz. Dr. Gerald Dietrich den Ansatz. „Anfang dieses Jahres hätten wir nicht gedacht, dass wir unsere Themen so regional anlegen müssen“, leitete der Moderator zum ersten Komplex, der Flutkatastrophe Rottal-Inn, über. 

 

Hans Nothaft, Vorsitzender der Kreiswasserwacht, Rettungsdienstleiter Johann Haider sowie Arnim Leeb und Gerhard Altendorfer (beide ILS Passau) stellten den Einsatzablauf dar. Die schlimmen Zahlen  dabei: 1800 Notrufe in der Integrierten Leitstelle Passau in zwölf Stunden, über 30 Vermisste zuerst, sieben Tote schließlich, 482 Evakuierungen plus 49 Windenrettungen aus der Luft, 150 Menschen aus misslicher Lage gerettet, davon fast 50 zeitkritische Lebensrettungen, vor allem in Simbach. 

 

Besonders problematisch hätten sich die Wasserrettungen wegen der stärkeren Strömung als im Vorjahr in Passau sowie Hindernissen unter Wasser (Zäune und Autos) gestaltet. Weil die Landwege oft überschwemmt waren, mussten ungewöhnliche Anfahrtswege bei guter Ortskenntnis gewählt werden. Unterstützung sei auch von der Psychosomatischen Fachklinik Simbach gekommen. „Innere Schäden“ bei Betroffenen würden oft erst viel später sichtbar – deshalb habe der BRK-Kreisverband ein entsprechendes Beratungs- und Hilfsangebot vor Ort eingerichtet. 

 

Über das Zugunglück Bad Aibling (9. Februar) berichtete Thomas Neugebauer, Bereichsleiter Rettungsdienst und stellv. Kreisgeschäftsführer des BRK-Kreisverbandes Rosenheim. Verbesserungspotenzial sah er bei der Kennzeichnung von Führungskräften am Einsatzort und der Kommunikation mit den Kliniken. 

 

Telemedizin im Rettungsdienst 

 

„Interessante und außergewöhnliche Fälle aus der Notaufnahme“ stellte NAZ-Leiter Oliver Zorn vor. Für die Teilnehmer hieß es dabei: „Wie hätten Sie entschieden?“ Sie waren nämlich mit elektronischen Abstimmungsgeräten ausgestattet und konnten sich so an Diagnostik und Therapie beteiligen. Ein weiteres Feld war die Telemedizin im Rettungsdienst. Zorn, der in Düren gearbeitet hat wo Telemedizin im Rettungsdienst eingeführt ist, berichtete über seine Erfahrungen. In Kurzform: Ein Notarzt leitet dabei über Sprechfunk, Videokamera und mit Fernübertragung des EKG die Einsätze von Rettungsassistenten. „Wir werden am Einsatz der Telemetrie im Rettungsdienst nicht vorbei kommen, sie birgt aber auch Gefahren“, wie Chefarzt Dr. Gerald Dietrich zusammenfasste.

 

Quelle: Passauer Neue Presse Ausgabe C vom 16.12.2016