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04.03.2019 12:22 Alter: 175 days

"Christoph Europa 3" bleibt nachts im Hangar

Enttäuschte Gesichter gestern in der Verbandsversammlung des Zweckverbands für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung (ZRF): Auch über ein Jahr nach dem einstimmigen Votum für die Unterstützung der Initiative von OB Jürgen Dupper beim Bayerischen Innenministerium, den in Suben stationierten Rettungshubschrauber "Christoph Europa 3" ebenso nachts einsetzen zu dürfen, gibt es keinen neuen Sachstand. "Das geht sicher nicht von heute auf morgen", sagte ZRF-Geschäftsführer Dieter Schlegl und warb um Geduld. PNP 29.03.2019 Bernhard Brunner


Bild: Brunner (PNP)

"24/7" lautet die Formel, die der Verbandsvorsitzende Dupper mit dem geschlossenen Rückhalt der Gremiumsmitglieder gern so schnell wie möglich umgesetzt haben möchte, um eine effektivere notärztliche Versorgung und einen schnelleren Transport akut erkrankter oder schwerverletzter Personen in Kliniken auch während der Nachtstunden zu gewährleisten. Bisher beschränkt sich die Einsatzbereitschaft des abwechselnd vom ADAC und vom ÖAMTC gestellten Helikopters auf das Zeitfenster von 7 Uhr morgens bis Sonnenuntergang zuzüglich 30 Minuten. Der Grund: "Christophorus Europa 3", wie das auffallend gelb lackierte Fluggerät offiziell heißt, ist nicht für den Nachtflugbetrieb vorgesehen.


24 Stunden an sieben Tagen – diesen vollumfänglichen Dienst im Ernstfall decken im Verbandsgebiet, das neben der Stadt Passau die Landkreise Passau, Freyung-Grafenau und Rottal-Inn umfasst, bislang nur die sogenannten Intensivtransporthubschrauber von Stützpunkten wie Regensburg und München aus ab. Dieter Schlegl sprach gestern in der Runde der Landräte, Bürgermeister sowie Kreis-, Stadt- und Gemeinderäte mit Blick auf das grenzüberschreitende Einsatzgebiet des Subener Helikopters von einer "überstaatlichen Geschichte". Das Feedback aus dem Ministerium bleibe abzuwarten, fügte der ZRF-Geschäftsführer achselzuckend hinzu.


Sonst läuft alles rund – sowohl im Verband aus auch in der Integrierten Leitstelle (ILS) Passau, für die deren Leiter Sebastian Fehrenbach mit imposanten Zahlen aufwartete. Demnach hat es im vergangenen Jahr exakt 89855 Notrufe über die einheitliche Telefonnummer 112 gegeben, allerdings auch 17024 Fälle von Notrufmissbrauch. Auf das Nachhaken von Bürgermeister Urban Mangold hin stellte Fehrenbach allerdings klar, dass es sich dabei nicht ausschließlich um Vorsatz der jeweiligen Anrufer handelte. "Viele passieren aus Versehen, zum Beispiel weil sich wer auf dem Handy verdrückt", betonte der ILS-Verantwortliche.
Aufgeschlüsselt in die einzelnen Sparten ergeben sich für 2018 im Rettungsdienst 41014 Notfalleinsätze, 40579 Krankentransporte, 290 Arztbegleitungen, 88 Bergwacht- und 29 Wasserwacht-Einsätze sowie 193 Ausrückungen der Fachleute für die Psychosoziale Notfallversorgung beziehungsweise der Notfallseelsorge. Im Bereich der Feuerwehr vermeldete Fehrenbach 1982 Brände, 4671 Technische Hilfeleistungen, 152 ABC-Einsätze und 181 sonstige Alarmierungen.


Mit einer "Operation am offenen Herzen" verglich Fehrenbach den Hardware-Tausch in der ILS Passau. Nach seinen Worten sind zwischen Juni und Dezember vergangenen Jahres während des laufenden Leitstellenbetriebs Zug um Zug sämtliche Server, die sogenannten Clients der Einsatzleitpläne und die Ausnahme-Abfrageplätze umgebaut und mit einer neuen Hardware ausgestattet worden. "Das dient einerseits der Verbesserung der Performance des Einsatzleitsystems, andererseits werden hierdurch die notwendigen Ressourcen für die künftige Entwicklung geschaffen", unterstrich Fehrenbach.

"Jetzt können’s alle anderen von uns abschauen", kommentierte OB Dupper diese zukunftsweisenden Aktivitäten des Passauer ILS-Teams, das durch die Anpassung des Wartungsvertrags mit der Firma Eurofunk auch noch Kosten spart. "Der kommt uns um 15000 Euro günstiger", erklärte Fehrenbach unter Hinweis auf vereinbarte Eigenleistungen wie den Austausch von Monitoren. Die Entwicklung des EUS-Alarmmonitors – EUS steht für Einsatzunterstützungssoftware – als optionales Angebot an die Feuerwehren charakterisierte der ILS-Leiter gar als Passauer "Pionierarbeit".


Stolz herrscht im ZRF auch über die Erarbeitung einer zentralen Lernplattform der ILS mit der Partnerleitstelle Traunstein zur digitalen Unterstützung der Aus- und Fortbildung von Disponenten und des Vertretungsbetriebs. Als sehr gelungen bezeichnete Fehrenbach den 2018 als Gemeinschaftsprojekt produzierten modernen Lehrfilm zur Vorführung an Grundschulen. "Damit soll den Kindern gezeigt werden, dass sie keine Angst haben müssen, einen Notruf abzusetzen", unterstrich der Leitstellen-Sprecher. Unter www.notruf-grundschule.de ist der Film im Internet abrufbar.


Apropos Kinder: Dr. Andreas Baumann zeigte sich in seinem Bericht ganz besonders dankbar gegenüber der Kinderklinik Dritter Orden Passau mit deren Ärztlichem Direktor Prof. Dr. med. Matthias Keller an der Spitze. Die Einrichtung hat nach den Worten des Ärztlichen Leiters Rettungsdienst ein eigenes Simulationszentrum für notfallmedizinische Szenarien mit Kindern aufgebaut. "Wir dürfen dort trainieren", freute sich Dr. Baumann – zum Selbstkostenpreis, wie er ergänzend anmerkte. Lediglich 220 Euro pro Teilnehmer schlagen hier zu Buche. Auf dem freien Markt wären es über 1000 Euro, so der Mediziner.


Lob gab es zuletzt auch für die Referenten, die beim ersten Notfallmedizinischen Symposium der Ärztlichen Leiter Rettungsdienst am kommenden Samstag, 30. März, in Deggendorf kostenlos auftreten – darunter zum Beispiel der Leiter der ADAC-Unfallforschung. Dr. Baumann rühmte das starke Interesse an der Premierenveranstaltung, die von den drei Ärztlichen Leitern Rettungsdienst Straubing, Landshut und Passau organisiert wird. Den aktuellen Anmeldungsstand bezifferte er auf 200. "Alle Workshops sind ausgebucht", teilte Dr. Baumann höchst zufrieden mit.

 

 

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